Warum wir manchmal lieber leiden – und wie du davon loskommst

Shownotes

Kennst du das Gefühl, dass sich manche Menschen regelrecht im Leiden einrichten? Willkommen im „komfortablen Elend“ – dem Zustand, in dem wir uns über Probleme beschweren, aber nichts verändern. Jens Alsleben und Jörg Weidenfeld nehmen in dieser Folge genau dieses Phänomen unter die Lupe: Warum halten wir an unzufriedenstellenden Situationen fest, obwohl die Alternative eigentlich besser wäre?

Wie kommt es, dass wir negative Erwartungen lieber bestätigt sehen, als uns dem Unbekannten zu öffnen? Und warum wird Leid in unserer Gesellschaft oft als legitimer „Leistungsnachweis“ angesehen? Mit viel Humor und treffenden Beispielen analysieren Jens und Jörg, wie unser Gehirn uns in der Komfortzone gefangen hält – und wie wir uns daraus befreien können.

Ein spannender Aspekt: Die biochemische Komponente. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol sind potente „Drogen“, die uns unbewusst am Status quo festhalten lassen. Doch Veränderung ist möglich – und beginnt mit der bewussten Entscheidung, sich nicht länger im Leid einzurichten.

Wie oft erwischst du dich selbst dabei, im „komfortablen Elend“ zu verharren?

Bis zum nächsten Mal, haltet durch und bleibt entspannt! Euer Jens, Jörg und Gustav.


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Quellen:

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00:00:03: Jens Alsleben Der Säbelzahntiger. Ein Podcast von und mit.

00:00:08: Jörg Weidenfeld Jörg Weidenfeld

00:00:09: Jens Alsleben und Jens Alsleben.

00:00:14: Jörg Weidenfeld Hallo liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, zu unserer heutigen Folge des Säbelzahntigers, wo wir über dieses großartige Phänomen sprechen, den Leidens nutzen oder wie man auch sagt Jens.

00:00:34: Jens Alsleben Komfortables Elend und Status Quo versus Change.

00:00:39: Jörg Weidenfeld Ein Traum, komfortables Elend. Man soll ja meinen, dass das Blödsinn ist. Also wenn man das hört, Komfortables, dann denkt man doch eigentlich Jetzt ist Quatsch. Also wer kann elend komfortabel finden? Was für ein Blödsinn. So, und wenn.

00:00:54: Jens Alsleben Menschen. 8 Milliarden Menschen können das.

00:00:58: Jörg Weidenfeld Wir bekommen es auf 8 Milliarden. Ja, weil die ganze Bude alle genau das können. Richtig. Weil alle das können. Ganz genau. Weil alles können. Weil die absolute Mehrheit überall, wo wir hingucken. Deswegen haben wir sogar einen Podcast mit dem Säbelzahntiger, weil wir irgendwie elend alle in einem entsprechenden Maß erleben. Und jetzt kommt die kesse Behauptung, mit dem komfortablen Elend zu sagen Naja, wir wählen das Elend, obwohl wir die Möglichkeit hätten, die Freude zu wählen. Boah, jetzt. Jeder, der gerade elend hat, fängt gerade glaube ich an zu kotzen und sagt Ich such mir den Scheiß doch nicht aus, ich habe doch ihr habt allen Grund dazu. Schwiegermutter ist doof, Schwiegervater ist doof, Chef ist doof, Kollegen sind doof, Politiker sind doof, Partner ist doof, Kinder sind doof, Bankkonto ist doof. Suche ich mir das nicht aus.

00:01:52: Jens Alsleben Aber das Schöne ist ich kenne diese Doofheit und der Leid, der mit dieser Doofheit einhergeht, der ist jeden Tag dasselbe und den kenne ich auch und den habe ich irgendwie liebgewonnen. Und anders leiden, als wie ich sowieso leide, will ich nicht. Dann leide ich doch lieber, wie ich bisher leide und freue mich dran.

00:02:14: Jörg Weidenfeld Und dann gibt es auch die Gegenerfahrung. Da fragt mich einer Und Jörg, wie geht es dir? Und ich sage Phänomenal, Das Gespräch ist vorbei.

00:02:24: Jens Alsleben Ja, weil phänomenal ist eine bodenlose Übertreibung. Das ist etwas Ungehöriges, weil es automatisch klar macht, dass es dir besser geht als mir. Und warum sollte ich mich mit einem unterhalten, dem es nachweislich besser geht als mir? Das ist doch unfair.

00:02:46: Jörg Weidenfeld Ja, da haben wir gerade mal wunderbar Beispiel Nummer eins für diesen Komfort im Elend. Denn wenn ich mit meinem Elend hausieren gehe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemanden finde, der auch Elend hat, ziemlich hoch. Und dann gibt es, wenn wir dann auch noch das Elend aus vermeintlichem gleichen Grund haben, dann gibt es eine gewisse Verbindung dazu. Dann gibt es eine gewisses Zusammengehörigkeitsthema und man hat etwas, worüber man sich austauschen kann. Und es ist. Es ist leidenschaftlich. Super. Also gern genommene Projektionsflächen sind ja. Sie sind Vorgesetzte, Kollegen, Politiker und Partner. Ja. So also sind immer gern genommen. Ja, was ist denn daran komfortabel?

00:03:38: Jens Alsleben Also komfortabel heißt ja, dass ich mich in irgendeiner Art und Weise wohlfühle, dass ich mich, ich sag mal, so bewege, dass ich alle Ecken des Raumes sozusagen kenne ich nirgends an? Stoße ich mich auch irgendwie von diesem Raum in irgendeiner Form geschützt fühle, weil ich ihn kenne. Weil ich nicht damit rechnen muss, dass irgendwo was Unbekanntes von links nach rechts, ihn auf die auf die Bildfläche erscheint und ich mich dann plötzlich mit Dingen auseinandersetzen muss, die mir fremd sind. Ja, Komfort ist etwas, womit ich mich arrangiert habe, was zu mir passt, scheinbar, was mir keinerlei Schmerzen zufügt, sozusagen dadurch, dass ich mich irgendwie darum kümmern muss, mich jetzt wieder einzurichten. Ich bin eigentlich auch noch einen drauf.

00:04:40: Jörg Weidenfeld Ich habe noch einen drauf. Ich sage alles das, was wir bekommen, ohne vorher ausreichend bewiesen zu haben, dass wir genug dafür gelitten haben, ist wie unmoralisch. Also ich kann mich an ein Gespräch erinnern aus meiner Verwandtschaft, wo eine Cousine von mir als Kind erzählt ja heute noch von geschenkt gekriegt hat, hat die Mutter zu dir gesagt Und denk dran, Kind, dafür musste der Papa ganz, ganz hart arbeiten. Sie konnte gar nicht so viel essen, wie sie kotzen wollte. Ja, so und dann werden hingestellt im Gehaltsgespräch vor. Wie oft passiert denn Gehaltsgespräch, wo der Mitarbeiter zum Vorgesetzten kommt und sagt Hör mal, ich habe hier eigentlich die Zeit meines Lebens. Ich bin ja absolut im Flow. Das läuft super, Kollegen Cool, das cool, alles super. Ich hätte gerne mehr. So ein Gespräch gibt es nicht. Wir gehen hin. Wir erzählen wir leid. Wir haben Überstunden. Wir leid. Wir haben Mehrarbeit. Wir leiden. Wir haben Stress. Wir haben sonst irgendwas. Wir hätten gerne mehr Schmerzensgeld.

00:05:36: Jörg Weidenfeld Eine Argumentation. Narrativ über Gib mir mehr Geld, weil ich. Weil ich hier so im Flow bin läuft das alles super. Scheint wie der Gib mir die Kohle doch nie, wenn ich sage, dass es mir hier gut geht. Ja so, dann komme ich nach Hause und sagt Boah, also der Arbeitstag heute war wieder ein Traum. Wir haben so viel gelacht, das war so cool, das war so großartig. Oder ist das cooler, wenn ich nach Hause komme und sagt Boah, war das anstrengend. Aber ich muss das Geld so hart verdienen. Also ich habe heute Abend mal so richtig Ruhe verdient, weil ich habe ja schon so viel geopfert und dann passiert der Wettbewerb. Dann sagte der Partner Oh, und ich auch So und dann haben wir dann mal beide gegenseitig legitimiert, was wir denn da gerade für ein Leid haben. Also ich habe mal die These raus und sage richtig leiden ist auch eine richtige Tugend. Wir haben das richtig zur Tugend gemacht.

00:06:27: Jens Alsleben Also in Ergänzung dazu ich habe natürlich jetzt eben mal gegoogelt, was der liebe Herr Wiki sagt, finde ich ganz spannend. Komfort ist die Abwesenheit jeglichen des Komforts und des Komfort ist die Abwesenheit von auffälligen, unangenehmen Empfindungen. Und jetzt kommt es. Hierbei wird davon ausgegangen, dass der Mensch ständig aktuelle mit bisher erlebten Situationen vergleicht. Solange keine Diskrepanz zwischen dem Erlebten und den an die Situation gestellten Erwartungen bestehen, wird diese Situation nicht bewusst wahrgenommen. Erst wenn Unterschiede auftreten, werden diese konkret festgestellt. Demnach ist der Komfort abhängig von den Erwartungen des den Komfort beurteilenden.

00:07:16: Jörg Weidenfeld Also wenn ich das jetzt in einem Satz zusammenfasse, wenn ich erwarte, dass morgen scheiße wird und morgen wird Scheiße, ist alles in Ordnung dann.

00:07:22: Jens Alsleben Dann habe ich komfortables Elend. So ist es. Genau. Genau. Und das heißt? Also, ich kann mir das zurecht denken, So zu sagen. Und dadurch, dass es eben tatsächlich morgen wieder beschissen ist, wie ich ja gedacht habe, dass es wird, fühle ich mich bestätigt und sage auch gleichzeitig Na ja, ich kann ja eh nichts dran ändern. Es ist halt genauso, wie ich es erwartet habe.

00:07:52: Jörg Weidenfeld Wenn es jetzt plötzlich.

00:07:53: Jens Alsleben Morgen schön ist, warum auch immer, dann sagt man plötzlich Was denn hier los? Wieso ist es. Wieso kann es denn so schön sein? Gestern war es scheiße. Und dann fängst du plötzlich an, dein Elend wahrzunehmen.

00:08:08: Jörg Weidenfeld Hm? Ja.

00:08:11: Jörg Weidenfeld Und wenn wir jetzt noch von dem. Es kommt noch ein zusätzliche Komfortkomponente dazu. Und zwar, wenn wir noch mal die Ursache, also nicht nur das Morgen Käse wird, sondern wenn wir nur sagen, es wird morgen Käse, weil mein Chef sich wieder Käse benehmen wird, weil meine Kollegen sich wieder Käse benehmen werden. Und so weiter und so fort. Genau da kommt ein ganz spannendes Phänomen. Wir hatten das in einem unserer früheren Episoden auch schon gehabt, Diese Beobachtung, dass wenn ein Mensch einen anderen dafür verantwortlich machen kann, wie es ihm oder ihr geht, dann sind ja in sich fein raus. So. Also das heißt, du bist also der Komfort kommt nicht nur aus dem, sondern aus dem, aus dem Treffen der Erwartungshaltung oder aus der Korrespondenz der Erwartungshaltung, sondern. Er kommt aus Dem Komfort, dass jemand anders die Verantwortung hat für mein Wohl. Das heißt, ich selbst bin fein raus. Ich selbst muss gar nichts tun, um irgendwie was zu tun. Alle anderen müssen sich einfach nur mal richtig verhalten Und somit bin ich selbst.

00:09:15: Jörg Weidenfeld Kann ich mir in den Sessel setzen und sagen So? Ich Ich mache es richtig?

00:09:25: Jens Alsleben Genau. Ja, es gibt gibt ja eine Untersuchung, die war auch Grundlage für den Martin Seligman, dass er mit dieser positiven Psychologie angefangen hat, nämlich diese learned helplessness, also die erlebte Ohnmachtsforschung, wo man hingegangen ist und hat. Und er hat dann untersucht, wie reagieren eigentlich Tiere? Also im Tierversuch war, dass wenn sie zum Futternapf gehen und immer dann einen Stromschlag kriegen und sie ziehen sich zurück und sie versuchen es noch mal und sie ziehen sich zurück und sie versuchen es noch mal und kriegen wieder eine gewischt und ziehen sich zurück und irgendwann bleiben sie in der Ecke liegen, weil sie gelernt haben, dass der Versuch, an den Fressnapf zu kommen, für Sie mit Schmerzen verbunden ist. Und sie sind. Sie geben sich in dieser, in dieser Hilflosigkeit, in diese Ohnmacht und versuchen es gar nicht mehr. Und er hat dann festgestellt, dass 1/3 der Tiere es trotzdem immer wieder versucht und immer wieder versucht und nicht aufgibt und nicht aufgibt. Und das war so die Urwurzel, warum er gesagt hat Was? Was ist das eigentlich für ein Phänomen?

00:10:28: Jens Alsleben Und gibt es das eigentlich auch bei Menschen? Und wie im Sinne der Resilienzforschung Was machen die anders? Wie sehen die, wie, wie gehen die an das Leben ran, dass die einfach nicht aufgeben? Aber 2/3 der Menschen haben etwas erlebt, aus dem sie Rückschlüsse ziehen, Erwartungshaltungen generieren. Und wenn diese Erwartungshaltung dann ist ja immer wenn ich zum Fressen gehe, kriege ich eine gewischt. Oder anders ausgedrückt Wenn ich dem Chef sage, was hier nicht gut läuft, dann werde ich gleich einen Kopf kürzer gemacht. Oder wenn ich darauf hinweise, dass bestimmte Dinge nicht gut laufen, dann werde ich aus der Gruppe ausgegrenzt. Dann werde ich irgendwann damit aufhören. Und auch wenn mir das eigentlich zuwider ist und ich eigentlich merke, da müsste doch eigentlich was anders gemacht werden, kann ich und will ich nicht mehr dagegen anagieren und füge mich im im Zweifel dann in mein Schicksal. Und wenn man jetzt mal draufgeht, was wir ja auch gesagt haben Status quo oder Change, jetzt angenommen, der Status Quo im Unternehmen ist ein komfortables Elend.

00:11:36: Jens Alsleben Das heißt, es laufen bestimmte Dinge einfach nicht mehr effizient, nicht produktiv. Der Umgang miteinander ist nicht wirklich sinnvoll. Man fühlt sich nicht so wohl, aber man hat, warum auch immer für sich entschieden, aus dem System nicht rauszugehen, sondern sich in sein komfortables Elend zu fügen. Und dann muss ich plötzlich darüber nachdenken, in so einem Changeprozess zu gehen, in eine Transformation zu gehen, wo plötzlich alles das, was ich kannte, wo plötzlich meine Erwartungshaltungen an das wird dann morgen auch wieder sein wird komplett in Frage gestellt werden. Was macht das mit den Leuten?

00:12:17: Jörg Weidenfeld Ja. Ich denke. Die. Also wenn in diese Veränderung reingeht, reden wir von dem Anreiz für eine Veränderung. Also man sagt ja immer, diese. Diese Salutogenese, glaube ich. So heißt das. Du musst ja das, was ist, ausreichend Scheiße finden, um einen Anreiz zu haben, davon wegzugehen. Und du musst das, wo du hingehst, ausreichend geil finden, um diese Veränderung überhaupt, um aus dieser Komfortzone überhaupt hinzugehen. Und. Und du musst den Übergang von A nach B für möglich halten. Ja, das kommt auch noch dazu. So, und wenn du die Komponenten mal reingehst. Also bleiben wir erstmal daran. Die meisten Leute leben ja auf Autopilot. Also. Du hast einen Job, wo du vielleicht Chef und Kollegen doof findest, aber du bist schon lange da. Sicher. Und du hast deine Arbeitsplatzsicherheit und deine lange Kündigungsfrist. Und was dann? Dreizehntes Gehalt und was auch immer. Vielleicht ein Auto dabei, wo du sagst ja, ist aber sicher so, ist zwar scheiße, aber ist nicht scheiße genug.

00:13:18: Jörg Weidenfeld Ja. So, und dann? Was soll ich denn stattdessen machen? Dann mach ich das Gleiche. In einer anderen Firma ist wahrscheinlich auch der Chef anders. Sonst was? Also ich sehe mich gar nicht in der Position, etwas zu schaffen, oder ich halte diesen diesen Zustand von der, der super für mich wäre oder den Perfektionsanspruch entsprechen würde, den halte ich für Träumerei. Damit die Veränderung von A nach B nicht für möglich. So, dann bleibe ich ja auch da, wo ich bin und ich glaube, das ist so eine. Wenn ich jetzt sagen würde, ich würde die Leute gerne fragen Kannst du dir vorstellen, wie du dich anfühlst, ihn glücklich.

00:13:55: Jens Alsleben Zu machen?

00:13:56: Jörg Weidenfeld Ich glaube, dass ganz viele Leute überhaupt gar kein Ausstellungskonzept sozusagen gar keine Vorstellung davon haben, sich gar nicht vorstellen können. Die haben gelernt, dass das also die sind komfortabel damit, wenn sie diese Geschichten überall erzählen. Wie gesagt, kommt ja eine Zugehörigkeit dazu. Also wenn Sie das in jedem Verein so erzählen.

00:14:13: Jens Alsleben Dass das Problem ist, du kannst dir Glück suggerieren, Sie glauben es nicht. Sie glauben es nicht, weil sie die Hoffnung darauf verloren haben, weil sie Erfahrungen gemacht haben, dass das nicht möglich ist.

00:14:29: Jörg Weidenfeld Stell dir mal vor, es wäre umgekehrt.

00:14:30: Jens Alsleben Ja, ja, aber ich sag mal, wie viel Vertrauen, wie viel Vertrauen muss jemand aufbauen, um dem anderen zu glauben, dass auf der anderen Seite das Gras tatsächlich grüner ist und tatsächlich da drüben ein besseres Leben wartet? Wenn du in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht hast, dass das nicht der Fall ist, bleibt sowieso beim Alten. Ich habe hier schon Chefs kommen und gehen sehen. Es hat sich nie was geändert. Ja, wir können sowieso nichts machen. Wer hört schon auf uns? Ja, was soll das Ganze? Das bringt doch gar nichts. Ich verstehe nicht, warum jetzt plötzlich alles ändern soll. Es hat doch früher alles funktioniert. Diese Sprüche, die da kommen.

00:15:14: Jörg Weidenfeld Wenn du zu all dem, was du gerade gesagt hast. Ja, stimmt sagst, ist genau das Phänomen beschrieben, was ich eingangs gesagt habe. Damit bist du fein raus, Ja. Wenn du dann einmal noch mal bestätigt hast, dass sowieso alles nicht änderbar ist, bist du fein raus. Ja.

00:15:29: Jens Alsleben Genau.

00:15:31: Jörg Weidenfeld Genau.

00:15:31: Jörg Weidenfeld Sehr komfortabel.

00:15:33: Jens Alsleben Sag ich ja. Komfortables Elend.

00:15:35: Jörg Weidenfeld So, jetzt ist das ja quasi schon paradox. Jetzt sitzen wir zwei hier und propagieren ein Schrumpfen eines Säbelzahntigers und diskutieren jetzt schon 15 Minuten darüber, wie komfortabel das ist, wenn der Säbelzahntiger einem eigentlich permanent vor der Nase sitzt.

00:15:51: Jörg Weidenfeld Ist das.

00:15:51: Jörg Weidenfeld Nicht verrückt?

00:15:52: Jens Alsleben Ja, das Interessante ist Der Säbelzahntiger ist da, aber man hat verlernt, ihn zu sehen.

00:16:04: Jörg Weidenfeld Ja, oder man kann sich gar nicht vorstellen, wie es ohne den ist. Also, wenn der weg wäre. Weißt du, wenn der weg wäre, womit beschäftige ich mich dann?

00:16:13: Jörg Weidenfeld Ja. Ich stell mir vor, ich habe.

00:16:17: Jörg Weidenfeld Nichts mehr zu meckern. Ich müsste plötzlich dankbar sein. Ja.

00:16:21: Jens Alsleben Ja. Wenn wir jetzt mal wieder auf die Grund, auf die Grundsorgen oder Grundtriebe sozusagen zurückgeht. Dass Menschen sich Sicherheit, Perspektive und Kontrolle suchen. Und dass man in dem Moment, wo ich Sorge habe, dass ich meine Sicherheit verliere oder meine Perspektive schwindet oder ich Kontrolle verliere, dass dann der Säbelzahntiger im Raum steht und ich dann nur mit Flucht, Kampf, Erstarrung oder Totstellen reagiere. Dann lass uns da mal dran dran rumbasteln. Jetzt sitze ich im komfortablen Elend, in der erlernten Hilflosigkeit, in der Übertragung von Verantwortung auf das System. Und ich selber kann ja nichts dafür. Das suggeriert mir eine Scheinsicherheit. Das suggeriert mir sogar eine Scheinperspektive, nämlich nach dem Motto Es werden schon andere für mich richten und mir sagen, was ich zu tun habe, um weiter im System zu existieren. Und es suggeriert mir tatsächlich Kontrolle. Das heißt, dieses komfortable Elend ist eine eine Reaktion. So interpretiere ich das jetzt auf diese ständigen Stromstöße sozusagen des Gehirns. Darauf, dass der Säbelzahntiger quasi unsichtbar gemacht wurde, obwohl er vor einem steht und einem die ganze Zeit in den Nacken haucht.

00:17:53: Jens Alsleben Und jetzt gehe ich hin und sage Und jetzt müssen wir alles ändern. Und plötzlich von einer Sekunde auf die andere ist der Säbelzahntiger wieder sichtbar und die Leute verfallen in eine echte Schockstarre, weil sie. Weil für sie das ein völlig neues Phänomen ist.

00:18:12: Jörg Weidenfeld Das gibt es umsonst. Es gibt übrigens auch eine biochemische Untermauerung. Also Cortisol und Adrenalin sind unheimlich potente Drogen.

00:18:19: Jörg Weidenfeld Ja.

00:18:20: Jörg Weidenfeld Und wenn wir jetzt mal eine Sucht definieren, also Dr. Joe Dispenza, der schon mehrmals erwähnt hat, dass ja zu seinem Kernthema gemacht. Ja, also dass er immer über dieses arousal from the home of Stress spricht. Wenn wir jetzt mal eine Sucht definieren als ein Verhaltensmuster, das sich nicht einfach so abstellen kann. Ich kann es nicht einfach sein lassen, dann haben wir hier mit einem eins A Suchtprogramm zu tun.

00:18:45: Jörg Weidenfeld Ein Suchtprogramm.

00:18:46: Jörg Weidenfeld Nach diesen, nach diesen Hormonen, die wir also nach dem Motto Wenn wir nicht den Stress empfinden, die Angst empfinden und dieses diesen Gefühlscocktail empfinden, wenn wir den, dann fühlen wir uns nicht.

00:19:00: Jens Alsleben So, jetzt hatte ich auch wieder spannend. Ich bin leider kein Mediziner. Was passiert jetzt im komfortablen Elend biochemisch? Würde mich jetzt echt mal interessieren, ob dann trotz alledem Stresshormone ausgeschüttet werden oder ob das tatsächlich dann wieder die Homöostase ist. Dass wir uns also selber darein suggerieren können.

00:19:21: Jörg Weidenfeld Es ist so.

00:19:22: Jörg Weidenfeld Also es ist schon so, dass also diese du merkst, dass diese Adrenalin und Cortisol Levels die sind tatsächlich die sind tatsächlich da, die sind tatsächlich hoch. Du hast auch schon mal gehört, hatten in einem anderen Episode auch schon mal besprochen, dass viele Leute in ihrem Büroalltag auf einem Adrenalinlevel fahren wie ein Kampfpilot im Einsatz.

00:19:39: Jörg Weidenfeld Ja, ja, genau.

00:19:40: Jörg Weidenfeld Ja. So, also das Adrenalin ist schon da, indem es ist halt eben wie. Also wie jeder andere aufputschende Droge, die die einen so sagen, die einen so fühlen lassen. Wir sehen die Substitution im Ruhezustand zum Beispiel, wenn wir bei sozialen Medien keine Ahnung, YouTube Shorts oder Tiktoks oder was auch immer. Da kommt die Dopaminsucht. Also dass wir auch permanent diese Flut haben, dass wenn jede Email, jeder Teamspeak, jeder sonst was jeder Social Media, Ping, WhatsApp, Ping, was auch immer Ping der hingeht und eigentlich auch diese Chemie hinbringt. Du merkst, dass du, während du deine Seminare und die Atemtechnik unterrichtest, wie schwer es den Leuten fällt, überhaupt mal eine Ruhe zuzulassen, die Finger von irgendeinem Gerät zu lassen und mal den Geist schweigen zu lassen.

00:20:32: Jens Alsleben Also das heißt wir zwei nicht Mediziner. Wir schlussfolgern auch wenn ihr den Säbelzahntiger scheinbar nicht seht, weil ihr euch in euer Elend eingerichtet habt, komfortabel Eure Biochemie schreibt ein anderes Programm. Und ihr belügt euch letztendlich nur selber, weil körperlich fügt ihr euch trotzdem permanent täglich Schaden zu.

00:21:04: Jörg Weidenfeld Genau.

00:21:05: Jörg Weidenfeld Und ich würde sagen, für unseren Wir sind ja mit der Zeit. Wir haben jetzt unsere 20 Minuten haben wir gerade wieder. Ich würde gerne das Ding diese Episode beenden mit einem Selbstexperiment. Versucht mal einen Tag lang nicht zu meckern. Ihr könnt morgen wieder meckern. Also versucht man morgen nicht zu meckern und übermorgen könnt ihr wieder meckern. Also nur einen Tag euch das Meckern aufzusparen. Und zu registrieren. Okay, eigentlich, wenn ich mein Programm wäre, würde ich jetzt meckern. Und zwar über den und den, damit einem das mal auffällt, dass man das beobachten kann.

00:21:39: Jens Alsleben Muss ich da das Meckern über mich selber auch abstellen, oder. Natürlich grüße ich ihn.

00:21:48: Jörg Weidenfeld Genau. Aber da ist ja ganz viel Annahme mit drin. Das ist ja nicht selten so, das ist ja das, was wir an anderen Leuten kritisieren. Ist ja nicht selten etwas, was wir an uns selber ablehnen, was der andere demonstriert. Ja.

00:21:59: Jörg Weidenfeld Ja, da.

00:22:00: Jens Alsleben Sind wir natürlich jetzt wahnsinnig gespannt auf das Feedback. Wie viel selbst Kritiker da draußen einen Tag lang nicht selbstkritisch und nicht kritisch anderen gegenüber waren. Das schreibt uns gerne jederzeit auch persönlich über auf unseren LinkedIn Profilen, über die Webseite. Ja, schreit es raus, wie euch damit gegangen ist und dann könnt ihr euch auf die Schulter klopfen, weil dann habt ihr schon mal euer komfortables Elend für einen Tag lang beiseitegeschoben und habt neue unbekannte Territorien besucht. In dem Sinne es war wieder schön, schön, kurz, schön, lebendig. Vielen Dank. Auf Wiederhören.

00:22:40: Jörg Weidenfeld Tschüss.

00:22:41: Jens Alsleben Und denkt dran, habt euren Säbelzahntiger lieb. Er kann auch nichts dafür.

00:22:46: Jörg Weidenfeld Und wenn irgendeiner von euch eine Super Säbelzahntiger Story im eigenen Unternehmen erlebt, seid ihr herzlich willkommen, die uns zuzusenden, mit uns in Kontakt zu treten. Und vielleicht machen wir mal eine Episode Pisode gemeinsam. Weil ich glaube, ein paar erfolgreiche Kriegsgeschichten im sinnvollen Kampf gegen den Säbelzahntiger oder in dessen Zähmung, besser gesagt, freuen uns natürlich sehr darüber, die mit euch zu teilen, weil ich glaube, dass die auch jeden anderen Hörer sehr ermutigt, auch immer jeden einzelnen Säbelzahntiger nacheinander zu zähmen, so dass sie Stück für Stück immer weniger werden.

00:23:22: Jens Alsleben Genau. Und wenn euch das Ganze gefällt, dann bitte kommentieren, liken, teilen. Und ja, verbreitet den Säbelzahntiger und vielleicht helfen wir uns dann gegenseitig auch ein Stück weit dabei, die eigenen Säbelzahntiger aufzulösen. Bis zum nächsten Mal. Macht's gut, Euer Jens und Jörg.

00:23:42: Jörg Weidenfeld Arrivederci!

00:23:43: Jens Alsleben Arrivederci! Ciao Ciao.

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