Warum Politik nichts im Unternehmen verloren hat!
Shownotes
Unternehmenspolitik – ein Begriff, der vielen von uns sofort ein Gefühl von Unsicherheit und Manipulation vermittelt. In dieser Folge nehmen Jens Alsleben und Jörg Weidenfeld den Elefanten im Raum ins Visier: Wie beeinflusst Politik in Unternehmen die Entscheidungen, die Transparenz und letztlich den Erfolg? Mit treffenden Anekdoten und klaren Analysen zeigen die beiden, warum politische Spiele nicht nur die Produktivität bremsen, sondern auch eine toxische Unternehmenskultur fördern können.
Ein zentrales Thema: Der Unterschied zwischen Unternehmenspolitik und Unternehmensdiplomatie. Während die eine Egoismus und Manipulation fördert, zielt die andere auf nachhaltige Lösungen und Zusammenarbeit ab. Warum es wichtig ist, seinen „Säbelzahntiger“ zu zähmen, um sich von politischer Manipulation zu befreien, und wie Führungskräfte souverän bleiben können, erfahren Sie in dieser Episode.
Besonders spannend: Die Auswirkungen von fehlender Transparenz und Vertrauen. Jens und Jörg schildern eindrücklich, wie verzerrte Informationen durch Hierarchien nach oben wandern und dabei den Blick auf das Wesentliche verlieren. Ein Weckruf für alle, die ihre Organisation resilienter und ehrlicher gestalten möchten.
Zum Abschluss gibt es praktische Tipps, wie Führungsteams durch klare Werte und mutige Entscheidungen eine Politik-freie Zone schaffen können – und warum das den Unterschied zwischen einem gesunden Unternehmen und einer tickenden Zeitbombe ausmacht. Hören Sie rein!
Bis zum nächsten Mal, haltet durch und bleibt entspannt! Euer Jens, Jörg und Gustav.
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Weiterführende Literatur
- Gotsis, G.N., Kortezi, Z. Ethical Considerations in Organizational Politics: Expanding the Perspective. J Bus Ethics 93, 497–517 (2010). https://doi.org/10.1007/s10551-009-0241-7
- Fiaz, S., Qureshi, M.A. How perceived organizational politics cause work-to-family conflict? Scoping and systematic review of literature. Futur Bus J 7, 5 (2021). https://doi.org/10.1186/s43093-020-00046-5
- Landells, E. M., & Albrecht, S. L. (2019). Perceived organizational politics, engagement, and stress: the mediating influence of meaningful work. Frontiers in Psychology, 10. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2019.01612
Transkript anzeigen
00:00:03: Jens Alsleben Der Säbelzahntiger. Ein Podcast von und mit.
00:00:08: Jörg Weidenfeld Jörg Weidenfeld
00:00:09: Jens Alsleben und Jens Alsleben. Ja. Moin zusammen. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Der Säbelzahntiger. Und heute geht es um den Säbelzahntiger und was der zu tun hat mit Unternehmenspolitik. Gruseliges Thema. Moin Jörg, du bist wieder auf Leitung. Ich hoffe es geht dir gut und du warst heute noch nicht politisch unterwegs oder musstest nicht politisch unterwegs sein.
00:00:38: Jörg Weidenfeld Nee, heute Morgen noch nicht. Nein, nein. Und generell versuche ich es auch weitestgehend zu vermeiden.
00:00:43: Jens Alsleben Ja, das. Das stimmt. Das geht mir auch so Viele von uns haben die, die wir jetzt so in einem kleineren Umfeld kennen, haben die großen Konzerne irgendwann mal verlassen, weil sie keinen Bock mehr hatten auf die ganze Politik. Aber was ist eigentlich Unternehmenspolitik. Jörg, was ist für dich Unternehmenspolitik?
00:01:03: Jörg Weidenfeld Ja, also sagen wir so Die kommen zumindest immer dann zum Einsatz, wenn das, was der gesunde Menschenverstand gebieten würde, etwas ist, was keiner hören will. Also quasi, wenn der gesunde Menschenverstand gleichbedeutend ist mit einem Elefanten im Raum oder einem großen Säbelzahntiger, also wenn, wenn das zu artikulieren oder dem zu folgen eigentlich auch direkt in eine Gefahr münden würde. Weil Politik ist eigentlich etwas hochgradig Manipulatives. Es kommt zum Tragen, weil ich was artikuliere, was ich eigentlich so gar nicht meine. Ich spare aus, was vielleicht unbequem wäre. Ich amplifiziere das, was ich glaube, was gerne gehört wird, in der Hoffnung darauf, dass die Reaktion auf das Schauspiel mir dann irgendwie zugunsten zugutekommt oder irgendwie mich gut in gutem Licht darstellen dastehen lässt. Und es ist ein. Ich sortiere meine Kollegen nach Gefolgsleute und Widersacher und die, die meine Position unterstützen und die, die nicht unterstützen. Also man merkt, es geht gar nicht mehr darum, was ist das Beste für das Unternehmen oder wie kriege ich kontroverse Positionen integriert, so dass am Ende eigentlich eine geilere Lösung rauskommt, als jeder einzelne vorher ersonnen hat, Sondern es geht ums Gewinnen und Verlieren, um aus dem Fadenkreuz sich raus manövrieren.
00:02:28: Jörg Weidenfeld Also da sind so viele auch Projektionen. Wie wir es in einem der vorherigen Podcasts drin, haben sind da drin in der Politik. Ich reagiere auf eine Simulation von zukünftigen Ereignissen, die ich mir vorstelle in Relation zu den Dingen, die ich tue oder die andere Leute tun. Und ich versuche, mich irgendwie zu navigieren. Das ist grundsätzlich, steht im eklatanten Widerspruch zur Wahrheit und es ist eine hoch manipulative Energie. Und was das anrichtet, denke ich, werden wir dies in diesem Podcast ziemlich gut abklopfen können.
00:03:02: Jens Alsleben Also was ich hier höre ist Säbelzahn Schach spielen. Ja, da gibt es also du bist der Schachmeister und du versuchst für deinen eigenen Sieg deine eigene Macht, Status, Ego, Zementierung sozusagen mit den mit deinen Stakeholdern, mit den Säbelzahntigern deiner Stakeholder so Schach zu spielen, dass du erreichst was du erreichen willst. Also für mich ist Unternehmenspolitik genau das Entgegengesetzte von Unternehmensdiplomatie. Bei einer Unternehmensdiplomatie versuche ich in der Sache, ich sage mal für für die Sache die Wege zu gehen, die notwendig sind, um entsprechende Mehrheiten zu kriegen, um den Einfluss auch geltend machen zu können, den ich brauche, damit dann die die Sache auch tatsächlich Mehrheiten findet und auch umgesetzt werden kann. Bei Unternehmenspolitik bin ich bei mir eigentlich und da versuche ich meine Position zu verbessern, indem ich mit den Ängsten, mit den, mit den Emotionen, mit den Egoismen meines Umfelds zu spielen.
00:04:20: Jörg Weidenfeld Nehmen wir mal eine ganz. Also ein Klassiker. Da ist ein Abteilungsleiter, der hat, der oder die hat gerade ein Riesenthema in der eigenen Abteilung, wo gerade Leistung gar nicht geht. Vielleicht viele Leute gekündigt. Also ein hochgradiges Chaos da drin. Und dieser Mensch fühlt sich wie. Also das fährt hier gerade vor die Wand und die Mittel, die ich zur Verfügung habe, die ich gerade sehe, um dagegen zu steuern, die werden nicht ausreichen. Ich brauche eigentlich Hilfe. So, das Beste für das Unternehmen wäre an der Stelle, wenn er hingeht, läuft zu seinem Chef und sagt Pass auf, dass ist die Transparenz über die Lage in meiner Abteilung. Die Ideen habe ich, aber ich weiß, das wird nicht reichen. Ich brauche Hilfe. Und dann wäre die wünschenswerte Reaktion die: "hey, super, dass er. Dass die Flagge so früh gehisst hast. Lass uns mal überlegen, wo wir denn die Hilfe herkriegen." Dann wird die organisiert und dann wird die Lösung herbeigeführt. Dann sind wir alle glücklich darüber, dass das gelaufen ist.
00:05:13: Jörg Weidenfeld So, jetzt bauen wir das erste politische Element mit rein. Ich unterstelle, ich bekomme die Unterstützung nicht. Ganz im Gegenteil. Ich muss mir erstmal eine Standpauke anhören darüber, was ich für ein unfähiger Abteilungsleiter bin. Ich muss das Problem aber trotzdem lösen. Dann suche ich nach etwas, was ich suche, dann nach einer Lösung, die mich als Abteilungsleiter gut dastehen lässt. Das heißt, da muss das Problem oder die Ursache dafür muss irgendwer anders haben. So. So fangen die Dinge an! Ich würde sagen, so fangen die Dinge an, also die die Grundlage ist die, dass ich schon eigentlich gar nicht das gar nicht das Vertrauens Vertrauen, die Vertrauensbasis im Unternehmen zwischen einzelnen Abteilungen, aber auch Hierarchieebenen herrscht, die zulässt, dass ich ehrlich mit dem, was gerade ist, umgehen kann.
00:05:55: Jens Alsleben Ja.
00:05:56: Jens Alsleben Ja. Genau. Also, ich misstraue dem System, das in der Sache vernünftig vorangegangen wird, sondern ich gehe davon aus, das System ist hochgradig emotional und manipulativ unterwegs. Und ich muss mich da irgendwie gegen die gegen das Misstrauen anderer so wappnen, dass ich da möglichst schmerzfrei und und verletzungsfrei durchkomme.
00:06:25: Jörg Weidenfeld Genau.
00:06:25: Jörg Weidenfeld Wo auch wieder unser Freund Projektion ganz, ganz viel mitschwingt, Weil wir wissen ja gar nicht, ob der Chef der Welt. Vielleicht reagiert er ja sehr, äh, sehr kooperativ.
00:06:35: Jens Alsleben Genau. Also es hat auf jeden Fall
00:06:37: Jens Alsleben man weiß es ja nicht.
00:06:38: Jens Alsleben Es hat auf jeden Fall was zu tun mit einer fehlenden Souveränität. Also wenn ich jetzt wirklich cool bin, sozusagen, dann brauche ich keine Unternehmenspolitik, um meine Perspektive zu erhalten.
00:06:52: Jörg Weidenfeld Und jetzt stellen wir uns mal vor, mal so eine Skizze, so eine Skizze des Ausmaßes, also den compoundierenden Effekt durch alle Hierarchieebenen. Ja, sagen wir mal, der Wert wird geschaffen im Auftrag des Lieferungsprozess sozusagen. Und dann gibt es darüber Leute, die das den ganzen Klimbim verwalten. Jetzt fangen wir auf der operativen Ebene damit an, dass wir uns nicht zutrauen, die also nach dem beschriebenen Muster, dass wir quasi nicht hingehen mit den Aufgabenstellungen und Problemstellungen, die da sind, so ehrlich an die unterstützenden Ebenen ran zu gehen. So aus der Unwissenheit dieser unterstützenden Ebenen wird berichtet nach einer Ebene und noch eine Ebene höher. Und so kreieren wir einen Eiffelturm, in dem die Menschen, die dann schlussendlich die letzte Verantwortung tragen für ein ganzes Unternehmen, ihre Entscheidungen fällen, auf Basis von ich sage mal fast 100 % falschen Informationen. Das ist zumindest diagnostischen Informationen. Also die Zahlen sind ja die, die sie sind. Aber der diagnostische Einblick ist in einem politischen Unternehmen. Wir wissen damit immer noch nicht, was richtig ist.
00:08:00: Jörg Weidenfeld Wir können sicher sein, dass das, was an diagnostischem Einblick präsentiert wird, ist wahrscheinlich definitiv falsch.
00:08:05: Jens Alsleben Das ist so, es geht im Endeffekt um den Erhalt der der des eigenen Status, der eigenen Machtposition. Und dem wird dann häufig das Unternehmensziel untergeordnet. Also ich spreche auch immer von also zum Beispiel ist ein ein typisches Thema, wenn man mit Vorständen spricht von von größeren Unternehmen, die sind in der Regel und ich als als ehemaliger Vorstandsassi habe das ja erleben dürfen. Die sind ja in der Regel aufgeschlossen, die sind grundsätzlich, sie sind ja keine Ignoranten. Manche sicherlich, aber die sind bestimmt einem guten Sachargumenten immer offen. Häufig ist es aber so, dass das, was wirklich relevant ist, da sind wir beim letzten Podcast Elefanten im Raum. Das wird den gar nicht mehr zugetragen, sondern da gibt es relevante Informationen. Wird irgendwo im Konzern unterdrückt, weil irgendjemand der Meinung ist, dass es ihm persönlich schaden könnte, wenn diese Informationen jetzt eine Ebene höher gegeben wird. Das heißt, das, was an Informationen ganz oben ankommt, ist so gefiltert. Sagt man ja auch immer, dass es beschönigt wurde, dass es bestimmte Leute schützt, aber in der Sache gar nicht mehr die Härte oder die, die die Brisanz hat, die es eigentlich hätte.
00:09:30: Jens Alsleben Und wenn ich zum Beispiel gefragt werde und dann bin ich auch ruhig, weil das ist so ein Thema, das ist so ein Aufreger für mich. Wenn ich immer, wenn ich gefragt werde, was macht eigentlich eine agile Organisation aus, dann berichte ich immer auch vom Militär im Gefecht. Denn da ist es so, dass wir sicherstellen müssen, dass jede relevante Information Verzugslos und ohne entsprechende Bewertung an den Ort transportiert werden muss, wo taktische Entscheidungen getroffen werden. Und wenn das nicht passiert, dann können Menschen sterben. Das heißt, ich muss eine Organisation bilden, die schnell, zeitverzugslos und ohne die Möglichkeit eigene Bewertungsfilter darüber zu legen, Informationen weiterleitet. Jetzt stell dir mal vor, alle relevante Informationen, zum Beispiel die Kunden sind unzufrieden mit dem Produkt, würden tatsächlich zeitverzugslos und ohne Filter an die Stellen gegeben werden, wo die Produkte entschieden werden. Was da dann tatsächlich auch an zusätzlichem Wissen plötzlich in dieser Gruppe akkumuliert wird und welche Effekte daraus entstünden. Aber was faktisch der Fall ist, ist jeder fragt: "erstmal ist diese Information unter Umständen etwas, was meine Sicherheit und meine Perspektive gefährdet?" Und wenn ja, dann wird die glatt gebügelt und geht dann als glattgebügelte Information weiter.
00:10:55: Jens Alsleben Es ist eine totale Katastrophe.
00:10:58: Jörg Weidenfeld So, und jetzt, du hast eben was ganz, ganz Spannendes gesagt. Dann sterben Menschen. Wenn ich das jetzt mal auf das Unternehmensleben übertragen ist das. Daran kann ein Unternehmen zugrunde gehen.
00:11:07: Jens Alsleben Absolut
00:11:08: Jörg Weidenfeld So, dass heißt, ich fühle mich. Ich. Ich mache etwas vermeintlich zugunsten meiner innenpolitischen, also meiner, meiner inneren Sicherheit, also meiner Sicherheit im Unternehmen.
00:11:20: Jens Alsleben Ja
00:11:21: Jörg Weidenfeld Auf Kosten der Existenz des gesamten Unternehmens. So ist es klar. Wenn ich einen Mitarbeiter von 30.000 bin, dann glaube ich ja nicht, dass mein Zurückhalten tatsächlich das hat. Aber machen das alle 30.000 dann so, dass das so ist. Ja, wir haben. Es gibt ganz, ganz, ganz, ganz viele Beratungsmandate, die dann von so einem Vorstand initiiert werden, wo Berater durch die Gegend laufen im Unternehmen, um die Wahrheit, die denen dann erzählt wird, weil das ist politisch ungefährlich herauszuziehen und die in schöne Folien zu verpacken und dem den Schaltstellen oder den Steuerungsgremien dann die Information zu geben, die dann der Wahrheit deutlich näher kommen. Und die Leute beschweren sich darüber, dass die Leute immer so viel Geld für Berater ausgeben, um etwas auf Folien zu bringen, was wir doch eh schon wussten, ohne die Brücke zu bauen.
00:12:16: Jörg Weidenfeld Dass die Tatsache, dass diese Beratungsmandate vergeben werden, sozusagen die finanzielle Messung ist mal mindestens die finanzielle Messung ein Indikator für die Kosten der Politik.
00:12:26: Jens Alsleben Ja.
00:12:27: Jens Alsleben Also ja, ich sag mal, wenn unter der Maßgabe, dass sämtliches Methodenwissen für die Lösung von von Herausforderungen in der Organisation schon vorhanden ist, bin ich völlig bei dir. Ja, wenn das dann zeitverzugslos und bewertungsfrei an die jeweiligen Entscheidungsstellen geliefert worden wäre, dann müsste es mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit zu Fehlentscheidungen kommen. Und Politics finde ich auch deswegen so wirklich beschämend, weil das ein klares Zeichen ist für mich, dass Menschen ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, das heißt sie für sich ihre Rolle völlig fehlinterpretieren, sich tatsächlich nicht als Teil eines Systems verstehen, sondern ausschließlich in der Eigenoptimierung unterwegs sind und damit aus meiner Sicht tatsächlich in höchstem Maße unternehmensschädigend unterwegs sind.
00:13:21: Jörg Weidenfeld Und wenn wir jetzt noch einen draufsetzen und sagen, dass dieses politische Geschick dazu führen kann, dass man die Karriereleiter sehr schnell nach oben fällt, das ist das Risiko, ist einfach Mathematik. Das ist das Risiko, dass sich politisch fähige, aber vielleicht in der Sache tendenziell inkompetentere Leute dann an den neuralgischen Schaltstellen sitzen haben, weil sie politisch fähig waren.
00:13:44: Jens Alsleben Ja
00:13:45: Jörg Weidenfeld Das Risiko ist extrem hoch. Also man kann fast sagen, dass in so politischen Umfelden ist die das, was man braucht, um nach oben zu kommen komplett andere Fähigkeiten sind als die, die man braucht, wenn man oben ist.
00:13:56: Jens Alsleben Und da sind wir jetzt wieder bei der Frage: "Wie gehe ich mit Politikern um?" Im Endeffekt muss ich Politiker demaskieren. Das kann ich aber nur, wenn tatsächlich, wenn der Politiker meint, er kann mich mit meinem Säbelzahntiger manipulieren, dann muss ich letztendlich meinen, diesen Säbelzahntiger für mich vorher geschrumpft haben, damit er keine Angriffsfläche mehr ist. Und dann kann ich dem Politiker auch, mich diesen politischen Aktivitäten nicht mehr hilflos ausgesetzt oder lass mich davon steuern, sondern dann kann ich hingehen und sagen:"Du, pass auf, das brauchst du mit mir nicht machen. Ich falle auf deine politischen Aktivitäten nicht rein, sondern im Gegenteil, ich mache die sichtbar und sorgt dafür, dass deine politischen Aktivitäten für dich dann tatsächlich brenzlig werden, weil es gegen deine gegen deine Rolle geht." Aber dafür brauche ich eine gewisse Souveränität. Da muss ich meine Säbelzahntiger im Griff haben und muss mich letztendlich sicher fühlen in meiner Rolle. Und deswegen, weil das sehr, sehr wenigen Leuten nur gelingt, funktioniert Politik auf allen Ebenen seit Jahrtausenden wunderbar.
00:15:17: Jörg Weidenfeld Ich glaube auch das ist zum großen Teil auch eine Wertefrage. Um das rauszukriegen, weißt du, ob man sich selbst, ob man sagt: "Pass auf, vollkommen egal, was das für politische Konsequenzen hätte. Ich spiele das Spiel Politik nicht mit." So. Und dass man auch sagt: "Ich glaube, ich denke immer weißt du, andere Leute kannst du nicht ändern. Man kann nur sich selber ändern und hoffen, dass der Rest darauf räsoniert."
00:15:36: Jens Alsleben Ja, und ich kann natürlich als System, als kulturgebendes Element. Da sind wir wieder bei der Führung. Kann ich natürlich sanktionieren. Also wenn ich merke, da wird Politik betrieben, dann kann ich dagegen ja was tun. Ich kann auch das System so aufsetzen und so incentivieren, dass eben deutlich weniger Politik möglich ist, als das vielleicht in der Vergangenheit der Fall war. Also wie immer kann ich als erstes Führungsteam sozusagen da eine Marke setzen und sicherstellen, dass Politik keinen bzw nur einen geringen Raum spielen darf und ansonsten wird sanktioniert.
00:16:16: Jörg Weidenfeld Ja, das braucht aber von Führungsseiten sichtbare Referenzerfahrung. Also für viele Menschen sichtbare Referenzerfahrung. Also kannst ja sagen, ich sanktioniere Politik. Wenn aber dabei gleichzeitig als Chef nur die Meinungen zulässt, die deiner eigenen entsprechen, dann kannst du so viel sagen, kannst so viel Politik sanktionieren wie du willst. Wenn dein eigenes Verhalten politisches Verhalten einlädt, dann gibt's einen Kurzschluss. So, das heißt also eine Grundvoraussetzung ist, dass man für viele Menschen sichtbar Referenzerfahrungen schafft, wo der ranghöchste Offizier oder die ranghöchste Offizierin Positionen vertreten hat, wo dann ganz mutig die Leute drumherum sagen: "Ich glaube, das funktioniert nicht, weil dies oder hier müssen wir noch was anpassen oder da müssen wir noch was anpassen." Das die Leute sehen, es geht allen um das beste Ergebnis, um die Sache und nicht darum, wer wie Recht hat und wer wem den Bauch pinselt.
00:17:14: Jens Alsleben Genau.
00:17:14: Jörg Weidenfeld So und diese Referenzerfahrung musste für andere Leute sichtbar sein. Also wenn ich das nur im kleinen Kreis habe. Also es ist wichtig, dass das viele Leute erleben.
00:17:23: Jörg Weidenfeld Absolut
00:17:23: Jörg Weidenfeld Um das glaubwürdig zu machen.
00:17:25: Jens Alsleben Absolut.
00:17:25: Jens Alsleben Also das Thema Glaubwürdigkeit, also die Tatsache, dass ich die Verantwortung habe vorzugeben, was ist richtig und was ist falsch, ist übrigens eine der elf goldenen Regeln der Glaubwürdigkeit zu sagen, was ist richtig und was ist falsch. Wenn ich das nicht tue und eben hingehe und sage Politik ist falsch, weil Politik führt zu Ineffizienzen, führt dazu, dass wir als System immer unter Potenzial bleiben, weil wir nie die richtigen Informationen zur richtigen Zeit an die richtigen Stellen kriegen. Weil wir dann dulden, dass eigenoptimierende Menschen, die das System manipulieren. Wenn ich das nicht sage, dann muss ich mich nicht wundern, wenn die Leute das unten nicht umsetzen. Im Gegenteil, ich muss das tatsächlich vorgeben und ich muss es incentivieren und ich muss es sanktionieren. Und dann muss ich auch mir Fälle rauspicken und öffentlich klarstellen, dass genau dieses Verhalten nicht zu dulden ist.
00:18:28: Jörg Weidenfeld Genau. Und das entscheidet jeder. Das eine ist in dieser Kommunikation, aber auch in konkreten Handlungen wie Beförderungen und dergleichen. Also wenn ich jemanden befördere, der bei den bei den Mitarbeitern bekannt ist, für politisches Geschick. Dann ist alless das, was ich vorher erzählt habe. Für die Füße.
00:18:46: Jens Alsleben Absolut. Und das bedeutet, dass ich tatsächlich eben auch als Führungskraft nah dran sein muss. Ich muss schon ein Gespür dafür haben, wie meine Direct Reports mit meinen Werten oder mit den relevanten Werten auch umgehen. Also ich habe die unmittelbare Verantwortung dafür, Sorge zu tragen, dass meine Direct Reports das, was ich für richtig und für falsch ansehe, auch tatsächlich so, so leben, so weiterleben. Nur dann kann natürlich diese Art der Kultur runter kaskadieren. Und ich habe diese Verantwortung sicherzustellen, dass ich mich in meinen Direct Reports diesbezüglich nicht täusche und dass ich ihnen wirklich vertrauen kann, weil ich sie so gut einschätzen kann, dass ich weiß, die werden nichts zum Schaden der Organisation tun. Das bedeutet aber auch, dass ich meine Säbelzahntiger im Griff haben muss. Dass ich nicht Opfer dieser Politik werde, weil man mich in irgendeiner Form bei meinen Schwächen packen will.
00:19:48: Jörg Weidenfeld Und ich glaube, bei meinen Schwächen ist noch mal ein gutes Stichwort, was auch die Vorbildfunktion angeht. Es ist ja so, dass man als Führungskraft eine Entscheidung trifft im jetzigen Moment auf Basis der Informationen und Einschätzungen, die man in dem jetzigen Moment hat. Zu einem späteren Zeitpunkt können bessere Informationen dazukommen, die eigentlich zu einer anderen Entscheidung einladen.
00:20:06: Jens Alsleben Absolut.
00:20:07: Jörg Weidenfeld Dann hinzugehen und zu sagen: "So, heute habe ich bessere Erkenntnisse. Das war damals keine gute Entscheidung. Auf Basis dessen, was ich heute weiß, müsste eigentlich da hingehen." Und auch mit solchen Moves zu sagen: "Leute, deswegen ich ich mache das Ich diesen Anspruch, den stelle ich auch an mich selbst, dass ich euch kein Märchen erzähle, sondern sage, wie es ist. Ich nehme mit auf, dass es eine Fehlentscheidung war damals und ich mache das jetzt richtig." Ist auch etwas was, also das ist dieses Vorleben, was meines Erachtens auch extrem wichtig ist, um die Ernsthaftigkeit hinzubringen. Also ich kann sagen, ich war mal selber in einer in einer Organisation beschäftigt, in der das in den expliziten Werten sehr, sehr deutlich da war.
00:20:46: Jörg Weidenfeld Und aufgrund dieser Werte habe ich das Unternehmen auch sehr geliebt. Was ich dann später, wo ich dann später erfahren habe, dass das galt für alle, aber das galt nicht so im Umgang mit dem, wie soll man sagen mit der Inhaberfamilie. Also da musste man schon ein bisschen mehr Huldigungen und Kumbaya und dergleichen investieren, um dann in den Inner Circle zu kommen. Ja, so ist es. Es ist ein sensitives Pflaster und ich glaube, niemand wird mit Sicherheit sagen können okay, Politik gibt es bei mir zu 100 % nicht. Ich glaube, es liegt ein bisschen in der Natur des Menschen. Der Impuls, den wir, glaube ich, setzen müssen, ist, sich dem ist eine tägliche Aufgabe zu versuchen, jeden Tag ein bisschen weniger politisch zu machen, als er sonst gewesen wäre. Ich glaube, wenn wir das regelmäßig tun mit dem Vorgang, der gerade vor der Nase ist, dann dann verändern wir auch die, verändern wir auch jede Organisation. So was nicht hilft, ist, sich das Maul darüber zu zerreißen, wie politisch die, das eigene Unternehmen ist, sondern zu sagen okay, ich nehme mir für mich vor, dass ich heute weniger politisch bin, als ich gestern war.
00:21:46: Jens Alsleben Was man dazu übrigens gut machen kann, ist, einfach mal in unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens die Frage zu stellen: "Wie sieht eigentlich bei euch karriereförderliches Verhalten aus?" Und wenn, dann wenn dann unterschiedliche Antworten kommen, dann weißt du schon okay. Hier gibt es keine Klarheit und hier gibt es klassisch politische Strömungen. Hier gibt es heimliche Spielregeln, die dazu führen, dass das ganze System nicht effizient und nicht an der Sache orientiert unterwegs ist.
00:22:16: Jörg Weidenfeld Ja, bin ich mal gespannt, was für Rückmeldungen aus unserer Hörerschaft kommen.
00:22:19: Jens Alsleben Und denk dran, habt euren Säbelzahntiger lieb. Er kann auch nichts dafür.
00:22:23: Jörg Weidenfeld Und wenn irgendeiner von euch eine Super Säbelzahntiger Story im eigenen Unternehmen erlebt, seid ihr herzlich willkommen, die uns zuzusenden, mit uns in Kontakt zu treten. Und vielleicht machen wir mal eine Episode gemeinsam. Weil ich glaube ein paar erfolgreiche Kriegsgeschichten im sinnvollen Kampf gegen den Säbelzahntiger oder in dessen Zähmung, besser gesagt, freuen uns natürlich sehr darüber, die mit euch zu teilen. Weil ich glaube, dass die auch jeden anderen Hörer sehr ermutigt, auch immer jeden einzelnen Säbelzahntiger nacheinander zu zähmen, so dass sie Stück für Stück immer weniger werden.
00:22:59: Jens Alsleben Genau. Und wenn euch das Ganze gefällt, dann bitte kommentieren, liken, teilen. Und ja, verbreitet den Säbelzahntiger und vielleicht helfen wir uns dann gegenseitig auch ein Stück weit dabei, die eigenen Säbelzahntiger aufzulösen. Bis zum nächsten Mal. Macht's gut, Euer Jens und
00:23:19: Jörg Weidenfeld Jörg.
00:23:19: Jörg Weidenfeld Arrivederci!
00:23:20: Jens Alsleben Arrivederci, ciao ciao!
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